Up and Down oder was ist meine Geschichte!


Neues Jahr und neue Gedanken? Quatsch! Ein neues Jahr beginnt und die Gedanken, die wir uns machen, werden sich wahrscheinlich nicht groß zum alten Jahr verändert haben. Wir machen uns so verrückt und machen einen riesen Alarm wegen aller möglichen Vorsätze. Vorsätze...klingt das nicht wahnsinnig streng? Und dann nennen wir sie ja auch immer gute Vorsätze. Gute Vorsätze? Wir machen uns damit einen ziemlichen Stress und das soll dann gut sein?

Ich würde gerne etwas grundlegendes ändern. Lasst uns statt über Vorsätze doch viel lieber von Wünschen reden. Wir ändern unsere Wünsche ja nicht nur, weil eine neue Jahreszahl im Kalender steht.

Aber zu meinen Wünschen oder Vorsätzen oder was auch immer komme ich später.

Ich würde zum neuen Jahr gerne damit starten, euch zu erzählen, warum ich mich in den letzten Jahren sehr stark mit Dingen wie Selbstakzeptanz und Selbstliebe beschäftigt habe. Ich habe viel dazu gelernt und kann mich inzwischen im Spiegel anlächeln.

Aber das war nicht immer so.

Ich gehöre leider nicht zu den Menschen, die mit einer natürlich schlanken Figur gesegnet sind. Seit meiner Kindheit kämpfe ich mit den Kilos, die sich überflüssigerweise auf meiner Hüfte niedergelassen haben und auch nicht den Eindruck machen, als würden Sie dort nur einen kleinen Zwischenstopp auf ihrer Reise machen. Nein, ganz im Gegenteil. Diese Kilos haben sich häuslich eingerichtet.


Mit dem Älterwerden wurde es auch nicht einfacher. Es hat sich nicht verwachsen - eine großartige Formulierung. Als müsste man einfach nur wachsen, damit sich die vorhandenen Kilos verteilen können. Also habe ich in der Pubertät angefangen sogar richtigen Figurfrust zu schieben. Alle Diäten, die damals so kursierten, habe ich mal getestet. Weight Watchers oder die Kohlsuppen-Diät sind nur zwei Beispiele. Wenn ich an die Kohlsuppen-Diät zurück denke, bekomme ich noch heute eine Gänsehaut. Alles hat nach Kohl gestunken. Meinen Kühlschrank wollte ich irgendwann schon nicht mehr öffnen. Ich kann euch nur abraten, das jemals zu machen.

Zum Glück weiß man heute, dass diese radikalen Diäten völliger Quatsch sind und den gefürchteten JoJo-Effekt nur bestärken. Und das hat wirklich so richtig gut funktioniert. Schnelle Abnehmerfolge und danach dann rasante Kilowellen, die über mich geschwappt sind. Und ihr könnt es euch vorstellen, dass das super frustrierend war.

Und irgendwann hatte ich dann soviel auf den Rippen, dass ich nicht mehr das Gefühl hatte, dass ich das alleine in den Griff bekommen würde.

Bereits vor Jahren - ich bin damals noch zur Schule gegangen - hatte ich mal einen Bericht im Fernsehen über Magenverkleinerungen und das Magenband gesehen. Damals wurde das in Deutschland nur in einer Klinik gemacht und die Kosten waren sehr hoch. Die Krankenkassen haben sich da noch nicht mit beschäftigt und man hätte einen solchen Eingriff alleine bezahlen müssen.

Damit hatte sich diese Idee relativ schnell wieder zerschlagen.

Aber so richtig losgelassen hat mich das nicht.

Durch einen Zufall bin ich vor knappen 9 Jahren wieder auf das Thema gekommen und habe eine Ärztin gefunden, die sich genau darauf spezialisiert hat. Also nicht lange nachdenken und schon war der Termin gemacht.

Ich war so wahnsinnig nervös vor diesem Termin. Warum? Weil ich auf der einen Seite dachte, dass sie vielleicht eine Lösung für mich hat und auf der anderen Seite, weil ich Angst davor hatte, dass sie mir eben nicht helfen kann. Dass ich ein hoffnungsloser Fall bin. Einen gehen da die verrücktesten Gedanken durch den Kopf.

Ich war zu der Zeit wirklich ratlos. Habe mich so hilflos gefühlt und in mir hatte sich der Gedanke etabliert, dass ich mein Übergewicht einfach nie loswerden kann und als dicke Frau weiterleben muss. Ich hatte nicht die Kraft gegen mein Gewicht zu kämpfen. Und auch wenn es damals noch kein Instagram gab, konnte man doch so auch schon genug Erfolgsgeschichten mit beeindruckenden Vorher-Nachher-Bildern verfolgen. Mich hat das damals mindestens genauso beeindruckt, wie es das auch heute noch tut. Diese krassen Abnehm-Erfolge, die man online findet, finde ich der Wahnsinn! Aber ich habe einfach kein Durchhaltevermögen. Daher kann ich diese Geschichten auch nur bei anderen feiern. Ihr fragt euch bestimmt, warum ich nie versucht habe, den Kampf ehrlich zu beginnen, wenn mich mein Gewicht doch so sehr stört. Gute Frage. Ich kann es euch nicht beantworten. Klingt platt und vielleicht auch ein wenig erbärmlich aber eine bessere Antwort habe ich nicht.

Vielleicht kommt mein quasi nicht vorhandenes Durchhalte-Vermögen daher, dass ich nicht genug an mich glaube. Versteht mich jetzt nicht falsch. Es ist ja nicht so, dass ich grundsätzlich denke, dass ich nichts drauf habe aber im Bezug auf mich ganz persönlich, ist das schon oft so. Die Stimme in mir flüstert dann immer: Wow, beeindruckender Weg von anderen oder tolle Leistung von ihm / ihr aber ich...nein, ich kann sowas nicht.

Aber zurück zum Arzttermin.

Der Termin war ok. Sie hat mir die Möglichkeiten gezeigt und mir auch erklärt, warum und warum nicht sie welche Methoden für geeignet hält oder nicht. Es war gut verständlich und ich bin mit einem guten Gefühl wieder weggegangen. Nach einigen Überlegungen habe ich mich dann doch recht schnell für die von Ihr vorgeschlagene Methode entschieden - einen Magen-Bypass.

Dabei wird der Dünndarm "umgelegt". Der Großteil des Magens wird nicht mehr mit Nahrung versorgt. Lediglich normal durchblutet wird der Teil des Magens. Die Nahrung landet in einem kleinen vorderen Teil des Magens, an dem dann auch der Dünndarm angenäht wird. Der Magen wird mit dieser OP quasi verkleinert und der ganze Nahrungsweg wird stark verkürzt.

Der Entscheidung folgten diverse Formulare und Fragebögen, die ich ausfüllen musste. Termine bei Ernährungsberatern, Psychologen und Orthopäden folgten ebenfalls. All diese Unterlagen dienten der Basis für den Antrag für die Magen-Bypass-OP, den die Ärztin für mich stellte.

Als ich die Info bekam, dass der Antrag bei der Krankenkasse eingereicht wurde, bin ich von langen Zeiten der Geduld ausgegangen. Andere, die ebenfalls eine solche OP beantragt haben, hatten berichtet, dass das ewig dauern würde und meistens auch erst noch mit einer Ablehnung zu rechnen ist. Dann Widersprüche einreichen usw...also alles recht langwierig.

Knappe zwei Wochen später klingelte mein Telefon mit einer wirklich sehr sympathischen Mitarbeiterin meiner Krankenkasse am Telefon, die mir mitteilte, dass mein Antrag bewilligt sei und sie mir für die OP alles Gute wünschen würde. WOW....darauf war ich nicht vorbereitet. Einfach so eine Zusage!

Und dann ging es wirklich schnell. Der Termin für die OP war im Juli 2010.

Die OP verlief gut und nach ein paar Tagen im Krankenhaus ging es auch schon wieder nach Hause.

Es ist komisch, wenn man nach so einem Eingriff plötzlich keinen Gedanken mehr ans Essen hat. Kein Hunger. Nicht mal die Lust was zu essen.

Die Tage im Krankenhaus musste ich lediglich Wasser trinken. Die Menge wurde kontrolliert aber zu essen gab es nichts - wenn man bedenkt, wie das Essen im Krankenhaus normalerweise so schmeckt, hatte ich also Glück.


Die Phase nach der Op hatte verschiedene Stufen. Erst nur flüssig - also mal nen Joghurt oder so und erst nach einer Weile dann mal die erste Kartoffel.

Das war ein so lustiger Moment! Meine Mama hatte mit ein bisschen Blumenkohl und ein paar Kartoffeln gekocht. Auf einer Untertasse wurde dann serviert. Das sah aus wie ein Puppenessen. Und nach einer halben Kartoffel war ich satt. Das war ein so verrückter Moment.

In den Mini-Magen passte nicht mehr rein.

Das Gewicht fiel die nächsten Monate nur so von mir runter.

Als die ersten 10kg weg waren, fiel es langsam auf. Das war ein Gefühl! Großartig!

Ich musste mich sehr darauf konzentrieren, genug zu trinken und auch mal was zu essen, denn das Gefühl für Hunger oder Appetit, war einfach weg.

Nach einem guten halben Jahr hatte ich 35kg verloren. Ich habe mich so wunderbar gefühlt. Eine Welle von Selbstbewusstsein ist über mich gekommen und ich hatte endlich wieder Spaß am Alltag. War stolz auf den erreichten "Verlust" und die ersten Shoppingtrips waren wie eine Party.

Ein unbeschreibliches Hochgefühl! Die ganzen Jahre davor hatte ich mich versteckt. Bin nicht mehr gerne weggegangen, obwohl ich Musik und Tanzen so sehr liebe.

Zum Herbst hin bin ich das erste Mal wieder in einen Club gegangen - und dann jedes Wochenende. Ich habe gefeiert, als müsste ich die letzten verlorenen Jahre nachholen.


Vom Essen her war es eigentlich immer ein austesten. Was verträgt man gut und was nicht. Es gibt zwar in diversen Foren unendlich viele Tips und Erfahrungsberichte aber eigentlich ist das bei jedem anders. Ich hatte recht viel Glück, denn wirklich schlecht war mir nie und ich habe auch alles recht gut vertragen. Meine Schwierigkeiten hatte ich mit faserigem Fleisch und mit Kuchen, Keksen usw. Also die Kombi aus Kohlenhydraten und Zucker mit Fett usw. fand mein Körper nicht so gut. Alles, was irgendwie schwer im Magen liegt, habe ich nicht gut vertragen. Nudeln zB haben mich total umgehauen. Freunde haben immer gesagt, dass man mir eine Nudel geben muss, damit ich den Mund halte.

Das ist auch nach Jahren nach der OP so geblieben.

Wenn ich etwas nicht vertrage, bekomme ich keine Magenschmerzen, sondern mein Kreislauf kippt um. Schweißausbrüche und Magengrummeln werden von totaler Müdigkeit begleitet. Ich habe das immer so erklärt, dass das einfach für meinen Körper zu anstrengend zu verarbeiten ist und daher ist er dann so fertig. Das geht dann nach ner Weile auch wieder weg aber schön ist es nicht.

Jetzt wird sich wahrscheinlich jeder denken: Wenn Sie weiß, was sie nicht gut verträgt, kann sie es ja einfach weglassen. Ja - stimmt. Aber...wenn wir alle die Dinge vermeiden würden, die uns nicht guttun, wäre die Welt schlank und glücklich. Ich bin nicht so richtig konsequent und diszipliniert. Eigentlich bin ich eine totale Chaos-Schluse, was mein Ernährung angeht. Ich halte mich echt an nichts und bin kein gutes Beispiel für das Essverhalten nach so einer OP.

Nobody is perfect und ich schon gar nicht.

Aber ihr dürft nicht denken, dass so ein Eingriff für immer die Lösung ist.

Es ist ein schmaler Grad zwischen "testen, was man verträgt" und "sich bemühen so viel wie möglich an Gewicht zu verlieren".

Und ich glaube, dass es ein sehr typischer Spruch ist, aber ich hätte gerne etwas mehr von meiner Nach-OP-Erfahrung gehabt, bevor ich den Eingriff habe machen lassen. Dann hätte ich weniger getestet und einfach mehr versucht aus der Op heraus zu ziehen. Also einfach zu versuchen mehr abzunehmen. Aber gut...das fällt nun definitiv in die Abteilung hätte - wäre - könnte. Und die Zeit zurückdrehen können wir nun mal nicht. Daher bleibt das Thema Gewicht auch weiterhin mein Thema aber ich habe viel dazu gelernt. Ich weiß nun, dass ich kein Size-Zero-Püppchen sein will, um glücklich zu sein. Mein Glück hängt nicht mehr an der Zahl meiner Waage, sondern an ganz anderen Dingen. Aber der Blick auf die Waage bleibt - auch wenn lange nicht mehr so kritisch.


Nachdem ihr jetzt diese ganzen Zeilen gelesen habt, stellt ihr euch vielleicht die Frage, ob ich den Eingriff heute nochmal machen würde?

Die Antwort ist ganz klar - JA!


Also niemals etwas bereuen und immer gespannt nach vorne schauen.


Viele Grüße

Eure Mascha



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